Munich Aerospace feiert 15. Geburtstag

Im Juli 2010 wurden die Verträge zur Gründung von „Munich Aerospace“ unterzeichnet. 15 Jahre später blickt der vom Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie unterstützte Verein stolz zurück und hochmotiviert in die Zukunft. Im Interview kommen Dr. Eva Rogowicz-Grimm, Leitung Recht & Finanzen, und Geschäftsführer Dr. Andreas Lermann zu Wort. Dr. Rogowicz-Grimm begleitet Munich Aerospace von Beginn an.

Frau Dr. Rogowicz-Grimm, Sie begleiten Munich Aerospace als Juristin von der ersten Stunde an. Wie haben Sie die Gründung des Vereins vor 15 Jahren erlebt? Was war die Motivation für die Gründung?
Für mich als Juristin war es faszinierend, von Anfang an die rechtlichen und organisatorischen Aspekte mitzugestalten und zu sehen, wie aus einer Idee eine lebendige Gemeinschaft wurde, die heute eine wichtige Rolle in der Luft- und Raumfahrtbranche spielt. Die Idee, Munich Aerospace zu gründen, kam ursprünglich von Prof. Wolfgang A. Herrmann, dem damaligen Präsidenten der TUM, sowie Prof. Jan Wörner, dem damaligen Vorstandsvorsitzendem des DLR. Sie hatten erkannt, dass eine enge Zusammenarbeit der Mitglieder – also neben TUM und DLR auch Bauhaus Luftfahrt und Universität der Bundeswehr München – in diesem Bereich essenziell ist, um international wettbewerbsfähig zu bleiben und technologische Fortschritte voranzutreiben.

Wie haben Sie die Bayerische Aerospace Industrie damals wahrgenommen? Was hat sich zu heute verändert?
Früher wurde die Branche eher als konservativ und traditionell wahrgenommen. Heute ist die Branche deutlich dynamischer, innovativer und aktiver – vor allem durch New Space Themen, die frischen Wind und neue Technologien in den Markt bringen. Es herrscht eine echte Aufbruchsstimmung, bei der viele Unternehmen und Forschungseinrichtungen neue Wege gehen. Darüber hinaus hat der Ukraine-Krieg die Aufmerksamkeit auf Verteidigungsthemen verstärkt, was die Branche zusätzlich in den Fokus rückt und die Bedeutung von Innovationen in diesem Bereich unterstreicht. Insgesamt hat sich die Aerospace Industrie in Bayern zu einem lebendigen, zukunftsorientierten Sektor entwickelt.

Wie hat sich Munich Aerospace in den 15 Jahren entwickelt?
In den letzten 15 Jahren haben wir deutlich mehr erreicht, als wir ursprünglich geplant hatten. So konnten wir über 50 Stipendiatinnen und Stipendiaten fördern, was zeigt, wie stark unser Engagement für Nachwuchsförderung ist. Außerdem haben wir eine Vielzahl von Events organisiert, die den Austausch und die Zusammenarbeit in der Branche fördern, sowie zahlreiche Kooperationen und Forschungsgruppen ins Leben gerufen. Heute sind wir ein kleines, schlagkräftiges Team von zehn Personen. Gemeinsam entwickeln wir ständig neue Ideen und Initiativen, immer in enger Abstimmung mit unserem Vorstand und unseren Mitgliedern, um die Zukunft der Luft- und Raumfahrt aktiv mitzugestalten.

Herr Dr. Lermann, seit knapp drei Jahren navigieren Sie Munich Aerospace als Geschäftsführer. Was sind die Schwerpunkte des Vereins?
Munich Aerospace versteht sich als Brückenbauer zwischen Wissenschaft, Industrie und Politik. Unser Fokus liegt darauf, exzellente Forschung und Nachwuchsförderung mit konkretem Technologietransfer zu verbinden – das heißt: Wir bringen die richtigen Partner zusammen, fördern interdisziplinäre Teams und schaffen Formate für Austausch und Sichtbarkeit. Neben unseren Promotionsstipendien und Forschungsgruppen setzen wir gezielt Projekte um, die die Luft- und Raumfahrt in Bayern strategisch stärken. Das reicht von internationalen Bildungsprogrammen bis hin zu digitalen Plattformen wie der Aerospace Map. Wir denken vernetzt – und genau das macht uns als Forschungsnetzwerk so wirksam.

Wie erleben Sie die Luft- und Raumfahrtindustrie aktuell in Bayern? Welche Rolle spielt Munich Aerospace dabei?
Bayern ist in der Luft- und Raumfahrt hervorragend aufgestellt – mit starken Unternehmen, exzellenten Hochschulen und einer Vielzahl innovativer Start-ups. Gleichzeitig stehen wir vor großen Umbrüchen: Nachhaltigkeit, Digitalisierung, Verteidigungsfähigkeit, die neue Raumfahrtökonomie – all das erfordert neue Allianzen und deutlich schnellere Innovationszyklen. Hier setzt Munich Aerospace an: Wir schaffen Plattformen, um diese Akteure gezielt zusammenzubringen, Forschungsvorhaben strategisch zu koordinieren und den Transfer in die Anwendung zu beschleunigen. Unser Ziel ist es, den bayerischen Standort als Ganzes zukunftsfähig zu machen – und dabei neue Talente und Ideen sichtbar zu machen.

Wie sehen die Pläne des Vereins aus – wohin geht die Reise?
Unser Anspruch für die nächsten Jahre ist klar: Munich Aerospace soll weiter wachsen – als Innovationsmotor, als Talentförderer und als „Vernetzer“ innerhalb der Branche. Wir wollen noch stärker in strategische Allianzen investieren, etwa mit Partnern aus der Industrie, mit Start-ups oder internationalen Netzwerken. Gleichzeitig werden wir Formate ausbauen, die Wissenschaft und Anwendung konkret zusammenbringen – sei es mit dem Munich Space Summit, neuen Forschungsvorhaben oder gemeinsamen Digitalplattformen. Auch in der Luftfahrt wollen wir künftig sichtbarer werden. Kurz gesagt: Wir wollen noch mehr bewegen – und dabei die besten Köpfe und Organisationen Bayerns an einen Tisch bringen.

Munich Aerospace wurde am 9. Juli 2010 gegründet.

Im Bild von links: Prof. Dr. Wolfgang A. Herrmann, Prof. Dr. Jan Wörner, Martin Zeil, Prof. Dr. Merith Niehuss, Prof. Dr. Mirko Hornung.

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