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11. April 2018 - Der Einladung von TUM International, der Unternehmensberatung maexpartners und Munich Aerospace zum ersten Munich Aerospace Summit am 11. April auf dem Ludwig Bölkow Campus folgten rund 80 geladene Gäste aus Industrie, Wissenschaft, Politik und Beratung. Beiträge von TUM-Präsident Professor Wolfgang Herrmann, Airbus Defence and Space-CEO Dirk Hoke, SpaceX-Vizepräsident Torsten Pilz, der Leiterin des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung Professor Marion Weissenberger-Eibl und Munich Aerospace-Mitgliedsvertreter Professor Mirko Hornung vom Bauhaus Luftfahrt informierten über aktuelle Herausforderungen der Luft- und Raumfahrtbranche.

 

Zu diesen Herausforderungen gehören die Zunahme des weltweiten Flugverkehrs, der Wunsch nach individuellem Luftverkehr und die steigenden Anforderungen an Logistik und Infrastruktur. Diese Aspekte müssen in Einklang mit der Umweltverträglichkeit, insbesondere der Reduzierung des CO2-Ausstoßes, der Stickstoff-Emissionen und des Fluglärms gebracht werden. Zudem spielt die Digitalisierung in allen Bereichen eine herausragende Rolle.

 

Der Abend schloss mit der feierlichen Preisverleihung des mit 10.000 € dotierten Munich Aerospace Awards an den ehemaligen Munich Aerospace-Stipendiaten Dr.-Ing. Rainer Matthias Rieck ab. Der Preis wurde von maexpartners zur Auszeichnung einer herausragenden Dissertation im Bereich Luft- und Raumfahrt gestiftet.

 

TUM-Präsident Professor Wolfgang Herrmann referiert über den Luft- und Raumfahrt-Forschungsstandort München

 

SpaceX als Erfolgsbeispiel

Welche Faktoren für den Erfolg von Aerospace-Unternehmen und zur Lösung dieser Aufgaben entscheidend sind, berichtete Torsten Pilz, Vice President Operations/Supply Chain bei SpaceX. So seien Fertigungssysteme, eine agile Supply Chain und das Concurrent Engineering genauso maßgeblich wie der Führungsstil eines Unternehmens. Insbesondere komme es auf die Werte und die Kultur eines Unternehmens an.

 

Die Entwicklung des 2002 und damit vor dem Automobilkonzern Tesla von Elon Musk gegründeten Unternehmens sprechen Pilz zufolge für sich. So hat SpaceX mit heute etwa 6.000 Mitarbeitern inzwischen 51 Weltraum-Missionen erfolgreich abgeschlossen. Davon sind 23 Booster der „Falcon 9“-Rakete erfolgreich gelandet worden und elf bereits mindestens einmal wiederverwendet worden. Mit der „Falcon Heavy“ habe man die mit einem Faktor 2 gegenwärtig stärkste operative Rakete präsentiert. Ein wichtiges Ziel sei die Wiederverwendbarkeit. So erwartet SpaceX, dass die „Falcon 9“-Rakete ohne Überholung bis zu zehnmal wiederverwendet werden kann und zukünftig mit moderater Aufbereitung für 100 Flüge zur Verfügung steht. Im Jahr 2022 werde es zum ersten Mal die Gelegenheit geben, einen Frachttransport zum Mars zu starten. SpaceX werde dazu die nächste Raketengeneration „BFR“ vorstellen. Zwei Jahre später könnte die erste bemannte Rakete die Reise zu diesem Planeten aufnehmen.

 

 

Gesellschaftliche Aufgaben als Treiber der Entwicklung

„Die Luftfahrt weckt mehr als jede andere Branche die Faszination der Menschen“, betonte Professor Marion Weissenberger-Eibl, Leiterin des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung und Inhaberin der Lehrstuhls Innovations- und Technologie-Management (iTM) am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Doch zugleich gebe es durchaus kritische Stimmen in der Gesellschaft, etwa was ökologische Aspekte betrifft. Insofern sei ein neuer Fokus bei der Aviation-Innovation gefragt, der die Herausforderungen der Welt, wie das Klima, die Urbanisierung und alternde Gesellschaft berücksichtigt. Während früher das Streben nach Kapazität und Reichweite vorherrschte, gelte es heute, Lösungen für die Bereiche Security, CO2-Reduktion und Autonomes Fliegen zu finden. Die Wissenschaftlerin hält dabei einen neuen Ansatz für erforderlich, nachdem sich Innovation an der Mission und nicht nur der technologischen Entwicklung orientiert. „Dabei sehe ich Start-ups als klare Ideengeber und empfehle ihnen eine Zusammenarbeit mit den großen Unternehmen der Branche.“

 

Professor Marion Weissenberger-Eibl schildert die großen Herausforderungen der Luftfahrt

 

Herausforderungen für Airbus und SpaceX

Beim abendlichen Kamingespräch diskutierten Dirk Hoke, CEO von Airbus Defence and Space und SpaceX-Vice President Torsten Pilz. Hoke sieht die digitale Transformation als eine große Herausforderung, die noch nicht in der DNA seines Unternehmens liege und daher weiterhin Überzeugungsarbeit erfordert. Bei SpaceX haben Pilz zufolge die überwiegend jungen Mitarbeiter eine durchgehend digitale Affinität. Hier gehe es vor allem um Agilität, Schnelligkeit, neue Ansätze für Problemlösungen, Risikobereitschaft und bei dem kontinuierlichen Wachstum um das Aufrechterhalten dieser Firmenkultur. Beide Unternehmen stehen vor der großen Aufgabe der Industrialisierung von kleineren Kommunikations-Satelliten in hoher Stückzahl. Während Airbus davon in einer ersten Tranche 900 herstellen und ins All senden wolle, seien das bei SpaceX deutlich mehr in den nächsten Jahren. Diese sollen eine neue Generation für den Datenempfang und damit den Aufbau eines Breitbandnetzes ermöglichen. „Eine neue spannende Zeit der Raumfahrt steht bevor, auf die ich mich sehr freue“, betont Pilz.

 

SpaceX-Vizepräsident Torsten Pilz, Airbus D&S-CEO Dirk Hoke und BDLI-Hauptgeschäftsführer Volker Thum sprechen über die Unterschiede zwischen L&R-Unternehmen

 

Munich Aerospace Award geht an Rainer Matthias Rieck

Der Abend schloss mit der feierlichen Preisverleihung des von maexpartners gestifteten und mit 10.000 Euro dotierten Munich Aerospace Award ab. Dr.-Ing. Rainer Matthias Rieck erhält den Preis für seine anwendungsorientierte Dissertation mit dem Titel „Diskrete Steuerungen und Nebenbedingungen in Optimalsteuerungsproblemen“. In seiner mit Auszeichnung abgeschlossenen Doktorarbeit präsentiert der junge Wissenschaftler hocheffizient gestaltete Algorithmen und ein exzellentes Software-Engineering. Für maexpartners-Geschäftsführer Pohle „gehen von dieser Arbeit genauso wichtige Impulse aus wie von den Beiträgen des ersten Munich Aerospace Summit für die Luft- und Raumfahrt.“

 

Munich Aerospace-Vorstand Professor Klaus Drechsler, maexpartners-Geschäftsführer Franz-Josef Pohle, Preisträger Dr.-Ing. Rainer Matthias Rieck und Munich Aerospace-Vorstand Professor Günter W. Hein bei der feierlichen Verleihung des Munich Aerospace Awards