Abschluss des OBUAM-Projekts: Neue Erkenntnisse über Lufttaxis im urbanen Raum

30. Januar 2020 - Im Rahmen der Urban Air Mobility Initiative Ingolstadt konnte das erste vom Bayerischen Wirtschaftsministerium geförderte Projekt zum Ende des Jahres 2019 erfolgreich abschlossen werden. Die wissenschaftlichen Partner der Technische Universität München (Professur für Modellierung räumlicher Mobilität sowie des Lehrstuhls für Vernetzte Verkehrssysteme) haben zusammen mit der Technischen Hochschule Ingolstadt (Professor für Automotive & Mobility Management), sowie dem Bauhaus Luftfahrt als Koordinator in den letzten 12 Monaten an dem langfristigen Anwendungspotenzial von Urban Air Mobility als Ergänzung zum öffentlichen Personennahverkehr am Beispiel Oberbayern (OBUAM) geforscht.

 

Ergebnisse, Kernaussagen und Handlungsempfehlungen

Die fünf unterschiedlichen Marktentwicklungsszenarien (konservativ bis progressiv) von UAM für die Metropolregion München zeigen, das UAM die tägliche Mobilitätssituation im Allgemeinen nicht wesentlich verändern wird, aber das aktuelle Verkehrsangebot durch ein schnellen, flexiblen Verkehrsträger ergänzt werden könnte. Während die Transportkapazität von UAM zu klein ist, um einen nennenswerten Einfluss auf bestehende Verkehrsträger zu haben, könnte UAM ausgewählte Quelle-Ziel Verbindungen verbessern.

Insgesamt zeigen die Simulationsergebnisse einen Modal Split von UAM zwischen 0,05% bis 1,6% an den täglich zurückgelegten Kilometern. Bei Taxi-ähnlichen Preisen (2€/km) wurde ein Anteil von UAM von knapp 1% errechnet. Erst auf längeren Strecken (40-100km) konnten relevante Transportanteile von 3% und mehr erreicht werden. Auf kürzeren Strecken (<10km) ist der relative Anteil von UAM weniger als 0,5%. Das ist vor allem dadurch zu erklären, dass Anfahrt zum Vertiport und Zugang zum UAM Fahrzeug Zeit in Anspruch nehmen, was bestehende Verkehrsträger häufig schneller macht (die dabei auch günstiger sind). In absoluten Zahlen konzentriert sich jedoch die UAM Nachfrage auf Strecken unter 40km. Dies führt auch dazu, dass die Fluggeschwindigkeit nur einen geringen Einfluss auf die Passagiernachfrage hat. Als die größten Treiber der Nachfrage wurden dabei der zu bezahlende Ticketpreis als auch die Flottengröße, also die zur Verfügung stehende Anzahl an Fluggeräten pro Vertiport (Start-/ Landeinfrastruktur), identifiziert. Die Forschungsergebnisse zeigen, dass eine Vielzahl an möglichen Flugstrecken im direkten Wettbewerb mit dem öffentlichen Personennahverkehr stehen würden, so dass frühzeitig sinnvolle und effektive Regulierungsmechanismen gefunden werden sollten.

Um zukünftig taxi-ähnliche Preise profitabel anbieten zu können, sind sehr hohe Auslastungen (ähnlich wie in der Luftfahrt) der Fluggeräte zusammen mit einer möglichst hohen Anzahl von Sitzplätzen notwendig. Im hier dargestellten Fall war eine Refinanzierung der Infrastruktur über den Ticketpreis nicht vollständig möglich. Daneben wurden die Start- und Landeinfrastruktur als ein wesentlicher Treiber identifiziert, der die gesamte Leistungsfähigkeit beeinflusst. Die zur Verfügung stehende Kapazität der Start- und Landeinfrastruktur ist ein wesentlicher limitierender Faktor, sodass ein gerechter Marktzugang für alle Akteure sichergestellt sein muss.

Es zeigt sich, dass ein Kompromiss zwischen Effizienz (Direktflug) und einer Reduzierung der negativen Auswirkungen von Lärm und Sichtbarkeit auf die Bevölkerung durch die Flugführung entlang bestehender Infrastruktur gefunden werden muss. Von daher sollten die politischen Entscheidungsträger und die Öffentlichkeit frühzeitig eingebunden werden und stärker erforscht werden, wie ein Kompromiss unter Berücksichtigung von Ökonomie, Ökologie, sozialer Gerechtigkeit und der Stadtplanung aussehen könnte.

Im Rahmen der OBUAM Abschlusskonferenz, die während der Urban Air Mobility Initiative Ingolstadt im November 2019 stattfand, wurde die Schaffung einer gesellschaftlichen Akzeptanz sowie eine bestmögliche Umweltbilanz inklusive hoher Nachhaltigkeit und geringer Lärmemissionen als wesentliche Bedingung für eine UAM Markteinführung gesehen. Ein Zugang für einen Großteil der Bevölkerung, eine Minimierung möglicher negativer Folgen für alle Bevölkerungsteile sowie ein uneingeschränkter Marktzugang werden als wesentliche Bedingungen für eine Akzeptanz in der Bevölkerung gesehen. Darüber hinaus besteht noch ein hoher Forschungs- und Entwicklungsbedarf im Bereich Entwurf und Test von lärmarmen, effizienten UAM Vehikeln.

 

Dr. Kay Plötner vom Bauhaus Luftfahrt und Professor Rolf Moeckel von der Technischen Universität München mit dem Team von OBUAMDr. Kay Plötner vom Bauhaus Luftfahrt und Professor Rolf Moeckel von der Technischen Universität München mit dem Team von OBUAM

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